Der heisse und trockene Sommer 2026 hat auch in Europa deutlich gemacht, wie kostbar Wasser ist und wie abhängig unser Alltag von einer funktionierenden Wasserversorgung ist. In weiten Teilen West- und Mitteleuropas lagen Niederschläge, Bodenfeuchte und Flussabflüsse zeitweise deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt.
In Sambia sind die Herausforderungen ungleich grundlegender. Millionen Menschen haben keinen verlässlichen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Gleichzeitig gehört Sambia zu den jüngsten Ländern der Welt: Ein grosser Teil der Bevölkerung ist unter 25 Jahre alt und braucht Perspektiven für Ausbildung und Beschäftigung. Was auf den ersten Blick zwei unterschiedliche Herausforderungen sind, hängt eng zusammen: Eine zuverlässige Wasserversorgung braucht nicht nur Brunnen, Pumpen und Leitungen. Sie braucht Menschen, die diese installieren, warten und reparieren können.
Gute Wasserversorgung beginnt mit guter Ausbildung
Genau hier setzt ein vom Liechtensteinischen Entwicklungsdienst (LED) unterstütztes Berufsbildungsprojekt von Wasser für Wasser (WfW) an. Gemeinsam mit sambischen Ausbildungsinstitutionen, Behörden und Unternehmen wird die berufliche Ausbildung im Wasser- und Sanitärbereich praxisnäher und stärker auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes ausgerichtet.
Das ist notwendig: Das sambische Berufsbildungssystem steht vor verschiedenen Herausforderungen. Ausbildungsangebote sind begrenzt, Frauen sind in technischen Berufen stark untervertreten und Lehrpläne sowie Unterrichtsmaterialien entsprechen teilweise nicht mehr den Anforderungen der Praxis. Gleichzeitig sind Ausbildungskosten für Jugendliche aus einkommensschwachen Familien eine hohe Hürde.
Sambia reformiert deshalb seine Berufsbildung und setzt verstärkt auf kompetenzbasierte Ausbildung und eine engere Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft. Der Lehrplan für Wasser- und Sanitärinstallateur:innen gehört zu den ersten, die entsprechend überarbeitet wurden.
Lernen, was später im Beruf gebraucht wird
WfW begleitet diesen Wandel seit mehreren Jahren. Gemeinsam mit lokalen Bildungsinstitutionen und Fachpersonen wurden praxisorientierte Lerneinheiten entwickelt. Sie übersetzen die neuen Lehrpläne in konkrete Übungen und Unterrichtsmaterialien – beispielsweise zu Wasserversorgung, Rohrmontage, Sanitärinstallationen und Abwassersystemen. Auch Lehrpersonen werden weitergebildet. Gleichzeitig arbeitet WfW mit Unternehmen zusammen, die Praktikumsplätze anbieten und ihre Erfahrungen aus der Praxis in die Weiterentwicklung der Ausbildung einbringen. So soll der Übergang von der Berufsschule in den Arbeitsmarkt besser gelingen.
Mehr als 1’000 Sanitärinstallateur:innnen und Fachkräfte für Wasser- und Abwasserversorgung haben seit Beginn des Berufsbildungsengagements von WfW bereits eine Ausbildung abgeschlossen. Langfristig sollen die entwickelten Ausbildungsstandards und Materialien in allen akkreditierten Schulen für Wasser- und Sanitärberufe eingesetzt werden.
Berufsbildung mit doppelter Wirkung
Das Projekt verbindet damit zwei zentrale Entwicklungsaufgaben: Junge Menschen erhalten bessere berufliche Perspektiven und gleichzeitig entstehen die Fachkräfte, die Sambia für eine zuverlässige und nachhaltige Wasserversorgung braucht. Denn Investitionen in Wasserinfrastruktur allein reichen nicht. Entscheidend ist, dass vor Ort das Wissen und die Kompetenzen vorhanden sind, um diese Infrastruktur langfristig zu betreiben, zu warten und weiterzuentwickeln. Der LED unterstützt das Programm im Rahmen seines Schwerpunkts Berufsbildung. Ziel ist es, die Qualität und Inklusivität der Ausbildung im Wassersektor zu verbessern, Beschäftigungsmöglichkeiten für junge Menschen zu schaffen und die Zusammenarbeit zwischen Staat, Ausbildungsinstitutionen und Privatwirtschaft nachhaltig zu stärken.
