12. Mai 2026

Das Radio als Landwirtschaftsberater

Wie erreicht man Bäuer:innen in ländlichen Regionen Tansanias, wenn Beratungsangebote fehlen, das Internet oft instabil ist und viele Menschen kaum Zugang zu aktuellem Wissen über nachhaltige Landwirtschaft haben?

Die Antwort ist überraschend einfach: mit Radio.

Der Liechtensteinische Entwicklungsdienst (LED) unterstützt gemeinsam mit Biovision ein Projekt, das genau dort ansetzt, wo viele Menschen Informationen tatsächlich erhalten. Über interaktive Radiosendungen, Mobiltelefone und die Landwirtschaftszeitung Mkulima Mbunifu erhalten Kleinbauernfamilien praxisnahes Wissen zu nachhaltiger Landwirtschaft, Ernährungssicherheit und ökologischen Anbaumethoden.


Wenn das Radio zum Landwirtschaftsberater wird
In vielen Regionen Tansanias ist das Radio eines der wichtigsten Informationsmittel überhaupt. Genau deshalb setzt das Projekt auf interaktive Radiosendungen.
Bäuer:innen können Fragen stellen, Erfahrungen teilen oder per Mobiltelefon direkt mit den Moderator:innen interagieren. Die Inhalte entstehen nicht am Schreibtisch in einer Stadt, sondern gemeinsam mit Landwirt:innen, Fachpersonen und lokalen Radiosendern.


Thematisiert werden unter anderem:

  • natürliche Methoden gegen Schädlinge
  • bessere Bodennutzung
  • klimaresistente Landwirtschaft
  • nachhaltige Ernährung
  • geringerer Einsatz chemischer Dünger
  • höhere Erträge auf kleinen Flächen


Besonders wichtig: Die Inhalte richten sich gezielt auch an Frauen in der Landwirtschaft. Moderatorinnen werden gestärkt und Themen aufgegriffen, die Frauen im Alltag besonders betreffen.


Nachhaltige Landwirtschaft gegen Hunger und Armut
Die Landwirtschaft ist für Millionen Menschen in Tansania die Lebensgrundlage. Gleichzeitig leiden viele Regionen unter ausgelaugten Böden, den Folgen des Klimawandels und steigender Unsicherheit bei der Ernährung. Das Projekt setzt deshalb auf Agroökologie. Dahinter steckt ein Landwirtschaftsansatz, der natürliche Kreisläufe stärkt, Böden schützt und langfristig widerstandsfähiger macht. Die Wirkung geht dabei weit über einzelne Höfe hinaus. Erfahrungen zeigen: Wenn Bauernfamilien sehen oder hören, dass nachhaltige Methoden bei anderen funktionieren, übernehmen sie diese oft selbst. Geplant sind unter anderem hunderte Radiosendungen, gedruckte Magazine, Trainings für Radiosender sowie Dialogveranstaltungen mit Politik, Forschung und Landwirtschaft.


Wissen, das bleibt
Spannend am Projekt ist auch der langfristige Ansatz. Die lokalen Radiosender werden nicht nur finanziert, sondern fachlich begleitet und in ihrer Eigenständigkeit gestärkt. Ziel ist, dass die Programme auch nach Projektende weitergeführt werden können. Zudem entsteht ein Netzwerk aus Landwirtschaft, Forschung, Medien und Behörden. Wissenschaftliche Erkenntnisse gelangen dadurch verständlich und praxisnah direkt zu den Menschen auf den Feldern. Der LED unterstützt das Projekt in den Jahren 2024 und 2025 mit insgesamt CHF 660’000. Das Projekt zeigt eindrücklich: Entwicklung beginnt nicht immer mit grossen Maschinen oder teurer Technologie. Manchmal beginnt sie mit einer Stimme im Radio, die zur richtigen Zeit die richtige Idee vermittelt.